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„Au hauaha. Wie gut, dass Mutti das nicht mehr erleben muss“, denke ich und nippe an meinem zweiten Kaffee an diesem 2. Februar. Draußen scheint die Sonne. Die nicht nach Süden geflüchteten Singvögel nerven mit Ihren Frühlingsverheißungen und ich lese die Meldung via Twitter auf http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/alice-schwarzer-beichtet-schweizer-steuergeheimnis-a-950622.html

Meine gute, alte Mutter – ausgesprochene Alice-Schwarzer-Anhängerin – hat bereits 2006 das Zeitliche gesegnet. Schon die Werbe- und später die „Reporter“-Tätigkeit der Frauenrechtlerin für die BLÖD hat sie verpasst. Und schon damals fragte ich mich, ob sie von ihren manchmal kritiklosen Begeisterungsstürmen für DIE deutsche Feministin ab gelassen hätte, oder – viel schlimmer – ob sie inzwischen BLÖD-Leserin geworden wäre.

In den letzten Jahren trat Frau Schwarzer vor allem mit der Moralkeule in die Öffentlichkeit. Auch zu Themen, zu denen sie nicht wirklich über ein „Expertenwissen“ verfügt. Im Bereich Feminismus hält sie sich selbst für eine wenn nicht die Instanz und sitzt bei Debatten zu diesem Themenspektrum meist auf dem „Wer feministisch ist, bestimme ich“-Ross, das nach o. g. „Aktivitäten“ allerdings inzwischen ein eher lahmer und schlachtreifer alter Gaul geworden ist (und sich somit hervorragend als „Steckenpferd“ der SAF eignet).

Irgendwo las ich heute in kritisch-linksgerichteten Gewässern den Vorwurf, man könne sich doch nicht über Frau Schwarzer und ihre Steuerhinterziehungen aufregen, wo doch der Staat das Geld ja sowieso meist sinnlos verpulvere. STOP.

Das sinnlose Verpulvern von Steuergeldern ist ein wichtiges Thema, welches zu recht immer wieder aufs öffentliche Trapez gehoben wird. Aber die Steuergelder sind neben dem Bereichern von bösen PolitikerInnen, LobbyistInnen und dem Erhalt und Ausbau sinnloser Bürokratieungetüme, sowie dem Errichten und Sichern fragwürdiger „Gefahrengebiete“ ganz nebenbei zur Sicherung des Gemeinwohles und der Fürsorge der Schwächsten da und wird, wenn auch in bei weitem nicht ausreichendem und gerechtem Maße, dafür verwendet. An der Relationenanpassung arbeiten parlamentarisch wie außerparlamentarisch politisch wirkende Kräfte (nein, die BLÖD zähle ich da wirklich nicht zu).

Wer nun seine diversen Talente einem Medium zur Verfügung stellt, das in regelmäßigen – ja fast täglichen – Intervallen den „Sozialstaatsschmarotzer“ und die „Armutszuwanderung“ in seine archaisch-plakative „Berichterstattung“ aufnimmt, um seinen Lesern die Meinungsbildung ab zu nehmen, der bzw. die braucht sich nun wirklich nicht zu wundern, wenn sich der „Mob“ enttäuscht bis rachsüchtig präsentiert, wenn sie nun kleinlaut die Existenz ihres schweizer Kontos einräumt.

Wir erinnern uns: auf 1 Euro Sozialleistungsmissbrauch kommen 1400€ hinterzogene Steuern. Roger.

Beide Fälle stellen Straftatbestände dar. Auf die Streitkultur und die Aufarbeitung von Frau Schwarzer bin ich als kritisch-feministische Oft-aber-nicht-Immer-Anhängerin sehr gespannt.

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